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[03.04.12]

Frankreich mal anders – März 2012

Okay, auf den ersten Blick war es nicht anders als sonst: Schatz, Basti und ich fahren für eine verlängerte Woche nach Frankreich ins Lot und tauchen dort in den uns bekannten Höhlen. Der Unterschied diesmal: Wir hatten uns ein größeres Ziel gesetzt – ein Tauchgang zur Biwakhalle in der Ressel. Diese Auftauchstelle liegt zirka 2200 Meter vom Eingang entfernt und rund 1200 Meter der Tauchstrecke liegen auf einer Durchschnittstiefe von 60 Metern (maximale Tiefe 80 Meter). Also ein ambitionierter Plan, zumal nur Basti und Sebastian einen Rebreather tauchen würden und ich stattdessen nur mit einem offenen System (OC). Dementsprechend war die Vorbereitung diesmal umfangreicher, auch weil wir den Rest der Woche noch einiges anderes tauchen wollten und unsere Gasvorräte für die Woche sehr genau planen mussten. Aber nun erst einmal zum Anfang...

 

Samstag: Anfahrt

Um Viertel vor sieben stand Basti bei mir vor der Tür. Da wir das Auto bereits am Vortag mit den schweren Sachen gepackt hatten wurden nur noch leichte Klamotten und Ausrüstung verladen und nach rekordverdächtigen 15 Minuten ging die Fahrt los. Unser Auto der Wahl war diesmal ein Transporter vom Carsharing eines großen norddeutschen Automobilherstellers, was sich im Vorfeld als sehr günstige und im Verlauf der Reise trotz nur mittelgroßem Motor sogar als überraschend flotte Alternative herausstellte.


Momentaufnahme auf der französischen Autobahn: Auf dem Bus steht "Air – Low Cost".
Klar der Gag, oder?

Zur Fahrt selber muss man wohl nicht sagen, außer, dass es für uns praktischer gewesen wäre, wenn man den Ärmelkanaltunnel nicht unter dem Kanal, sondern unter Paris durchgezogen hätte.

150 Kilometer vor dem Ziel trafen wir uns mit Schatz auf einen ersten französischen Kaffee und gegen sieben Uhr waren wir in Gramat bei der wie immer sehr gastfreundlichen Familie Cayrol (www.domaine-de-gibert.com).

 

Sonntag: Setup in der Ressel

Der Tauchgang zur Biwakhalle stand für Montag auf dem Programm, heute wollten wir dafür einen Setup machen. Also Ausrüstung zusammenbauen, noch mal Flaschen analysieren, über Sinn und Unsinn unterschiedlicher Analyselabelbeschriftungen diskutieren (MOD und Analysewert vs. nur Analysewert), weiterpacken und zur Ressel fahren. Dort angekommen trafen wir einige bekannte Gesichter, Ralph Wissel und Lars Christian Brandt, mit denen wir ein bisschen klönten während des Aufrödelns.


Die Drei von der Ressel: Schatz, Basti und ich.

Unser Plan war, alles auf einmal reinzubringen, was in Summe 19 Stages waren und erstmal wenig Spaß machte. Nachdem wir aber den Großteil auf 21 Metern und die 36 Meter-Stage unten am Schacht abgelegt hatten und glücklich befreit von der Last noch ein kleines Rennen im tiefen Teil veranstalteten hatten wir schon wieder ein Grinsen im Gesicht.

 

Montag: Der große Tauchgang

Nach ausgiebigem Frühstück ging es zur Ressel, wo ich vor Ort feststellte, dass ich die Batterien für einen Scooter in der Hütte hatte stehen lassen. Kurzes Gefluche und dann noch mal eine Stunde zurück nach Gramat und wieder an die Ressel gefahren. Basti und Schatz bauten in der Zwischenzeit ihre Rebreather auf, was einfach eine Weile länger dauert, so dass wir insgesamt kaum Zeit verloren hatten. Nur hatte ich dadurch keine Zeit mehr für Fotos und der geneigte Leser muss an dieser Stelle etwas mehr Kopfkino spielen...

Davon abgesehen lief bei der Vorbereitung alles glatt und entspannt. Teilweise kam es uns schon fast zu easy vor angesichts dessen, was wir vorhatten. Aber wir hatten alles sorgfältig und detailliert geplant und daher gab es von Anfang bis Ende keinen Moment, in dem wir uns Stress machen mussten.

Auch Ralph und Lars waren wieder an der Ressel und als dann auch noch die Bossows dazustießen, hatte das Ganze den Touch eines Sonntagnachmittags in Hemmoor ;-)


Sebastian in Wathose beim Vorbereiten seines Rebreathers, im Hintergrund steht das Gerät von Basti.

Wir scooterten zehn Minuten bis zum 21 Meter-Punkt, wo wir weitere 10 Minuten mit Anlegen der Stages, Kontrolle der deponierten Dekogase und Gaswechsel verbrachten. Schatz und Basti hatten jeweils eine 80 cuft. mit Bottomgas und zwei kleine Dekoflaschen für den hinteren Schacht (40 cuft. 50/25 und 14 cuft. Sauerstoff) dabei, außerdem waren beide so freundlich, jeweils noch eine 80 cuft. Stage mit Bottomgas von mir zu transportieren, so dass ich nur fünf Flaschen (3x 80 cuft. Bottomgas, 1x 40 cuft. 50/25 und 7l Sauerstoff) dabei hatte.

So ausgestattet brauchten wir 33 Minuten um den tiefen Teil zu durchqueren, wobei meine Gaswechsel uns natürlich Zeit kosteten. Aber auch hier hatten wir uns im Vorfeld abgesprochen und Sebastian und Basti übernahmen jeweils das Wegklippen einer vollen und der leeren Stage in die Leine für mich. Es klingt an dieser Stelle etwas danach, als wären die beiden Sherpas gewesen, aber hier geht es einfach nur darum, möglichst effizient mit Teamressourcen umzugehen und wenn zwei nur zuschauen während der Dritte sein knappes Gas durchzieht ist das nicht gerade schlau.

Am hinteren Schacht angekommen begannen wir mit einer sehr konservativen Deko, da wir hier auf keinen Fall etwas riskieren wollten. Die ansonsten hervorragende Sicht (10-20 Meter) wurde durch Perkolation etwas getrübt – ein Phänomen, das man vom vorderen Teil der Ressel nicht kennt und welches wir im weiteren Verlauf der Woche noch einmal kennen lernen sollten.

Beim hinteren 21 Meter-Punkt ist die große Kunst, nicht dem verlockend aussehenden großen Gang zu folgen, sondern nach links über die Schulter zu schauen und den kleineren Gang zu nehmen. Andernfalls landet man im Lac Isler, wo der Ausstieg schwierig bis unmöglich ist. Wir folgten also weiter dem kleinen Gang und hingen lange auf unserer Deko rum. Bei 9 Metern kratze ich aus Langeweile etwas an den Wänden und stellte erfreut fest, dass das Gestein um uns herum Kreide war. Das kennt man ja als Norddeutscher nur zu gut.

Die Deko auf 6 Metern zog sich hin, so dass wir uns zum Ende hin ablenken mussten. Vor allem die Foodtube – ein umfunktionierter Pro14-Tank – war interessant, da sie aus Acryl bestand und uns so einen Ausblick auf die darin enthaltenen Fressalien erlaubte. Außerdem hatten wir jeder noch einen Trinkjoghurt dabei, der, wie die Insepktion ergab, die Fahrt durch den tiefen Teil in der Beintasche gut überlebt hatte. Leider hatte ich es nicht geschafft, den Joghurt anschließend wieder richtig zu verstauen, so dass sich das gute Getränk unbemerkt an die Höhlendecke verabschiedet hat, wo es wohl heute noch hängt. Soviel also zu "leave nothing than bubbles"...

Wenn jemand in nächster Zeit dort vorbeikommt wäre ich dankbar, wenn man den Joghurt mitnehmen würde. Er ist auch noch bis Ende April haltbar – wenn das mal nicht eine günstige Gelegenheit für ein kostenloses Getränk ist!


Ein verwandtes Exemplar des verlorengegangene Trinkjoghurts.

Das letzte Drittel der Zeit auf 6 Metern verbrachten wir scooternd Richtung Biwakhalle, wo wir nach 165 Minuten die Köpfe aus dem Wasser streckten. An sich ist die Biwakhalle nur eine Auftauchstelle wie viele andere auch, aber nach all den Jahren, in denen wir von dieser Halle gehört hatten und den Wunsch im Hinterkopf hatten, hier auch mal hinzugelangen, war das schon ein besonderer Moment.


Der Weg zur Biwakhalle – mit konservativer Deko.

Die Biwakhalle ist – man muss es wirklich deutlich sagen – ein saumäßig unbequemer Ort. Der Boden ist voll mit mittleren bis großen Steinbrocken, die zum Teil auch noch scharf geschnitten sind. Hier kann man keinen unkontrollierten Tritt machen. Und es gibt nur einen größeren Brocken, der halbwegs eben ist und als Lagerstätte dienen könnte. Schlafen konnten wir uns hier nur mit Hängematten vorstellen. Umso mehr wuchs unser Respekt für alle diejenigen, die hier schon mal eine oder mehrere Nächte verbrachten.

Der hohe Kohlenstoffdioxidanteil in der Luft macht es uns auch nicht leichter – wenn man daran nicht gewöhnt ist fühlt sich jeder Schritt wie ein Halbmarathon an. Nur in Ruhehaltung merkt man kaum etwas, bei geringster Belastung spürt man es aber sofort.

Wir kletterten einmal quer durch die Halle und schwammen noch eine Runde im dahinterliegenden Sumpf. Dummerweise hatte ich mir den Reißverschluss während der Kletterpartie etwas geöffnet, um die Beweglichkeit zu erhöhen und hatte angesichts der Anstrengung und der Euphorie nicht mehr auf dem Schirm, ihn vor dem Einstieg in den Sumpf wieder vollständig zu schließen. So schoss es einmal kurz Wasser in den Anzug bis ich ihn wieder geschlossen hatte, wodurch es auf dem Rückweg etwas kühl wurde. Das kommt davon...

Nun aber zum angenehmen Teil: Wir hockten uns auf den einen flachen Felsbrocken und machten uns über die Foodtube und die verbliebenen Trinkjoghurts her. Und eins muss man sagen: Französischer Schinken schmeckt über zwei Kilometer vom Tageslicht entfernt noch besser als er es ohnehin schon tut.

Nach der Mahlzeit ruhten wir uns noch etwas aus und quatschten, bis wir nach anderthalb Stunden wieder mit dem Anrödeln begannen. Sebastian lief beim ersten Schritt ins Wasser ebenfalls voll – er hatte sich beim Klettern eine Turbo Sole aufgerissen. Wir hatten die Zahl unserer trockenen Tauchanzüge also von drei auf eins reduziert. Schön wäre es jetzt gewesen, wenn wir statt des zweiten Baguettes eine Rolle Klebeband in der Pro14 gehabt hätten – damit lassen sich solche Leckagen zumindest notdürftig abdichten.

Der Rückweg verlief ansonsten flott und glatt. Die Kälte in den nassen Anzügen war einigermaßen erträglich, erst Recht mit eingeschalteter Heizweste. Nach 191 Minuten Tauchzeit und insgesamt rund acht Stunden unter Tage tauchten wir bei völliger Dunkelheit in der Celé auf. Jetzt stand "nur" noch das Abbauen und Verstauen auf dem Programm, aber auch das ging in gemütlichem Tempo angenehm von der Hand, so dass wir noch vor Mitternacht zu Hause ankamen und uns quick'n dirty eine große Portion Nudeln nebst Heldenbier genehmigten.

Und wieder zurück von der Biwakhalle zum Ausgang der Ressel.

Schlussendlich kann man an dieser Stelle noch die große Diskussion aufmachen, ob so ein Tauchgang OC Sinn macht oder nicht. Er ist sicherlich grenzwertig, soviel kann man Fall sagen. Alleine das Gefühl, das die Gasuhr tickt, macht das ganze doch etwas stressiger. Gehen tut es anscheinend auch ohne RB...


Das eigentlich schlimme am Lot ist ja die miese Aussicht.
 


Sach ich doch!

 

Dienstag: Entspannungsprogramm in der Truffe

Nach solchen Tauchgängen wie dem am Vortag mag man auch mal kürzer Treten. Basti tat das ausgiebig und proklamierte beim Frühstück für sich einen tauchfreien Tag. Schatz und ich sind noch mal kurz in die Truffe gesprungen, wobei der Eingang leider stärker zugeschüttet war und wir nur mit sehr unkonventionellen Methoden in die Höhle hineingelangen konnten. Dieses Hindernis einmal genommen war es aber ein schöner entspannter Tauchgang bei – wie immer – hervorragender Sicht.

 

Mittwoch: Landenouse

Für Mittwoch hatten wir uns wieder etwa mehr vorgenommen, wir wollten in der Landenouse bis zum Ende der Leine auf 78 Metern tauchen. Auf dem Hinweg machten wir noch einen kurzen Scouttrip zur Trou Madame, die sich aufgrund niedrigen Wasserstands als schwierig zu betauchen herausstellte. Wie ich später hörte, haben Anke und Niels sich die Mühe gemacht – Respekt!


Blick in Richtung Eingang der  Trou Madame.

 

Und noch mal der Blick stromabwärts.


Wir dagegen düsten weiter zur Landenouse und gönnten uns in Cajarc am Markt noch Tartes aux citron – eines der besten Kuchenstücke der Grand Nation, zudem noch serviert von den zwei hübschesten Bäckerinnen der Welt.

An der Landenouse verlief der Setup trotz niedrigem Wasserstand flott und flüssig – man kennt das Prozedere ja langsam. Basti hatte allerdings Pech und riss sich beim Abstieg auf der Leiter an einer überhaupt nicht verdächtig wirkenden Stelle die Armmanschette großflächig auf. Also wieder nichts mit Tauchen, die Götter waren seit der Biwakhallenbezwingung gegen ihn. So tauchten Schatz und ich alleine los und waren auch recht zügig am bekannten Ende der Leine. Diesmal inspizierten wir die Kieshalde ausgiebiger als bei unserem letzten Tauchgang dorthin und befanden den weiteren Weg als gar nicht so untauchbar wie sonst. Vielleicht ist auch die Landenouse noch für einen längeren Tauchgang geschaffen – nur hatten wir diesmal nicht die passenden Gase dabei.

Ich hatte mir für diesen Tauchgang ein D18 von Schatz geliehen, was mir leider ziemliche Probleme bereitete, da ich zum einen überbleit war und die Flaschen außerdem zu hoch saßen, so dass der schwere Fuß der Heiserflaschen mir kräftig in die Lendenwirbelsäule drückte. Es hört sich jetzt nach Rumgememme an, aber ich hatte unter Wasser noch nie so fiese Schmerzen über einen so langen Zeitraum. Ist schon ein dummes Gefühl, wenn man weiß, dass man jetzt nichts dran ändern kann sondern einfach mit den Schmerzen zwei Stunden weitermachen muss...

Ein echtes Highlight bei dem Tauchgang war Basti, der im Pool auf 6 Metern plötzlich im Trocki mit einer Stages als Sidemount neben uns hing. Wie er uns später erzählte, hatte er unsere Tauchzeit genutzt, um sich in Cajarc beim Autohändler einen Satz Fahrradflicken zu besorgen und damit nebst einigen zweckentfremdeten Stagegummibändern seine Manschette zu flicken. Basti, Deine Bastelkünste erstaunen mich immer wieder!

 

Donnerstag: Double Eight-o-Eight oder auch Ibuprofen-Day

Am folgenden Tag gönnte ich mir aufgrund noch vorhandener Rückenschmerzen eine Auszeit. Basti und Schatz machten sich wie geplant auf zur Ressel, um noch mal die tiefe Acht zu tauchen. Auch dieser Tauchgang verlief wohl sehr entspannt und die beiden beschlossen unterwegs noch, die selten betauchte Galerie Nord in Augenschein zu nehmen, was sich wohl als sehr lohnenswert herausstellte. Die beiden scooterten zweimal durch den Gang und waren fasziniert von der mit 20+ Metern deutlich besseren Sicht als im Rest der Höhle (ca. 15 Meter).

Der Double Eight-o-Eight.

Die Herausforderung am Abend bestand dann darin, einen Namen für einen Tauchgang durch "beide" Achten zu finden, wobei man sich schlussendlich in Analogie zu coolen Skaterbegriffen für Double Eight-o-Eight entschieden hatte.

 

Freitag: Setup beim Schorse

Für Freitag hatten wir uns dann entschieden, einen Setup für den Tauchgang im hinteren, tiefen Bereich der
St. George zu machen. Von der Anzahl der Flaschen wäre das nicht zwingend nötig gewesen, aber es war dann doch nett, die Bedingungen mal vorher selbst gesehen zu haben und am nächsten Tag mit weniger Gepäck zu starten.


Basti ist zum Schorse-Setup auch OC getaucht und wir beide konnten entspannt Schatz beim Schrauben
zugucken.

Beim Tauchgang selbst waren wir etwas überrascht, denn wir hatten von vielen Seiten gehört, dass die Bedingungen großartig sein. Tatsächlich hab zumindest ich den Schorse schon deutlich besser erlebt, aber zugegebenermaßen selten.

Während des Aufrödelns sind auch noch ein paar andere Taucher aufgetaucht, die Scooter und CCRs aus ihren Fahrzeugen hervorholten, so dass wir annahmen, wir würden hinten nicht allein sein. Dazu aber später mehr...

Der Tauchgang verlief entspannt. Schatz hat sich meine Hochachtung verdient, als er es relativ locker schaffte, sich selbst samt RB und zwei Stages gleichzeitig durch die Engstelle bei 400 Metern zu bugsieren.

Hinten bei rund 1000 Metern angekommen deponierten wir alle Flaschen in 21 Meter Tiefe und kehrten um. Wir machten noch einen kurzen Ausflug in die mittlerweile fest verleinte "Halle der tausend Gedanken" – ein kurzer Abzweig bei zirka 800 Metern, dessen Namen auf einem Erlebnis von Schatz und Jens vor einiger Zeit beruht. Der geneigte, neugierige Leser mag die Herren mal danach fragen ;-)

Die Sicht in diesem kleinen, hübschen Gang ist auf jeden Fall schnell durch Perkolation verdorben, zudem habe ich in einem Moment der Unachtsamkeit einen Flossenschlag in die falsche Richtung gemacht, so dass der vom Boden aufsteigende Lehm dies weiter verschlimmert hat. Also, grundsätzlich ganz gemächlich und aufmerksam hier tauchen – diese Stelle verzeiht kleine Fehler nicht so einfach wie die meisten doch sehr gutmütigen Höhlengänge im Lot.


Wir überlegen, ob wir auf Inspiration umsteigen. Das Gelb ist einfach schick.

Auf dem Rückweg hatten wir (und unser Gegenüber vermutlich auch) ein Erlebnis der dritten Art: Auf den letzten 300 Metern wurde die Sicht deutlich schlechter, was daran gelegen hat, dass zwei der eingangs erwähnten Taucher mit Buddy Inspiration und Cuda 650 bewaffnet und im Abstand von 50 Metern voneinander auf den Lehmbänken knieten und diese mit einer Herzenslust durchwühlten, wie sie vermutlich ansonsten nur ein Trüffelschwein bei der Suche im Matsch zu empfinden vermag. Wir blieben unwillkürlich stehen und starrten auf dieses Ereignis und auch einer der Beiden hielt inne und beobachtete uns mit einer ähnlichen Mischung aus Neugierde und Argwohn.

Am Abend kam uns ein wunderbares Gleichnis von Reinhard Buchaly in den Sinn, der Begegnungen dieser Art schon vor Jahren einmal herrlich beschrieben hatte.

Zumindest waren aber alle unsere Sorgen zerstreut, dass unseren Flaschen bei 1000 Metern auch nur irgendetwas passieren könnte.


Basti scoutet. Der nächste Padirac?

 

Samstag: Hinten auftauchen im Schorse

Der zweite lange Tauchgang in diesem Urlaub verlief ähnlich wenn nicht sogar noch entspannter als der Tauchgang zur Biwakhalle.

Wir starteten wieder früh morgens, der Setup ging schnell und nach rund zehn Minuten waren wir schon an der Engstelle bei 400 Metern und noch mal etwas über 15 Minuten später waren wir auch schon bei unserem Flaschendepot. Nach dem Anlegen der Stages ging es weiter in den tiefen Teil. Dies ist eine hohe und zerklüftete Spalte mit einer mittleren Tauchtiefe von 74 Metern und einer Länge von ungefähr 150 Metern. Die Spalte und auch die Leine enden nach dieser Strecke und wir mussten den Gang noch einmal zurück und wieder halb rein fahren, bis Sebastian die Fortsetzung entdeckte, die steil nach oben in einem schmalen, runden Gang bis zirka 45 Meter Tiefe verläuft. Hier knickt der Gang wieder in die Horizontale ab und steigt langsam über eine Länge von geschätzt 200 Metern an. Am Ende dieses Ganges geht wieder ein Schacht steil nach oben, an dessen Fuß wir ein interessantes Relikt einer vorherigen Exploration entdeckten: Ein Reel (oder eher eine Spool), dass von der Form her einer Stabhandgranate ähnlich sieht und das definitiv leicht abzurollen und unmöglich wieder aufzurollen ist, da ihm hierfür jede Mechanik fehlt. Wer dieser Reel mitnimmt, geht davon aus, dass dort, wo er hingeht, keine Leine liegt...


Wunderbare Sicht im Pool der St. George.

Wir wechselten auf unser erster Dekogas und stiegen nach und nach den Schacht empor. Auch hier gab es wieder eine starke Perkolation, ausgelöst hauptsächlich durch den OC-Taucher und bedingt dadurch, dass hier wirklich selten Luftblasen die Wände sauber spülen.

Bei neun Metern besuchte uns ein Fisch und so gewöhnlich das in den Höhlen im Lot selbst in großer Entfernung vom Eingang auch ist, so hatte dieser Fisch doch mehrere sehr ungewöhnliche Eigenschaften: Stark vergrößerte Augen, keinerlei Färbung, eine durchsichtige Rückenflosse und ein absolut ruhiges Verhalten – ganz anders, als die sonst eher panisch bis verwirrten Flußfische, die sich in den Höhlen verlaufen. Er war auch deutlich schwimmfauler, hielt sich hauptsächlich auf dem Boden auf, obwohl es von der Familie her kein typischer Bodenfisch, sondern der Vermutung nach ein Barsch war. Weiß hier vielleicht jemand mehr?

Nach der dank Fisch kurzweiligen Deko scooterten wir ein kurzes, flaches Stück, bis wir an eine Stelle kamen, wo der Gang über mehrer Meter zur Hälfte trocken fiel und wir die Köpfe aus dem Wasser streckten. Von der Optik ähnelte der Gang jetzt der Bootsstrecke aus dem Padirac, in dessen größtem Abfluss wir uns ja auch befanden. Ein herrliches Gefühl, wieder so eine entfernte Stelle unseres Planeten zu besuchen.

Ein guter Freund von mir sagte mal vor Jahren, technisches Tauchen sei die Raumfahrt des kleinen Mannes und damit hatte er recht.


Rein- und Rausweg in der St. George. Die Zeit auf Tiefe ist kurz – wenn man den Weg erstmal kennt.

Nach kurzem Plausch und einer kurzen Erwägung, ob wir noch weiter könnten, drehten wir dann aufgrund meiner nicht mehr großzügig vorhandenen Gasvorräte um. Der Rückweg durch den tiefen Teil dauerte gefühlt nur zwei Minuten, jetzt da der Weg klar war. Die Deko in dem großzügigen und wirklich sehr klaren Gang (im Gegenteil zum vorderen Teil) von 75 bis 21 Metern war ein echtes Vergnügen.

Den letzten Abend dieser Woche ließen wir wieder mit leckerem Essen und einem hausgemachten Nusslikör aus der Nachbarschaft ausklingen. Es war mal wieder eine geniale Tour: Wir hatten fast überall astreine Bedingungen, mussten nie mit großen Problemen kämpfen und hatten ein paar echte Abenteuer und viele gute Lacher.

Vielen Dank Jungs, es war mir ein Vergnügen!