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[14.02.12]

Viva Italia! – oder auch: warum Plan B manchmal besser ist...

Eigentlich war für diesen Winter eine zweite Tour zur Rinquelle geplant, doch die Wettervohersagen waren nicht uneingeschränkt optimistisch. Kurzerhand wurde die Tour durch Basti und Stefan umgeplant und es ging für ein verlängertes Wochenende ins Valstagna in Italien. Valstagna ist ein langezogenes Tal, das der Fluß Brenta in die südlichen Ausläufer der Alpen geraben hat und in dem die Grotte di Oliero sowie die Fontanzzi liegen. 


Freitag: Die lange Tour in Richtung Süden

Da die meisten von uns aus dem norddeutschen Raum anreisten war der Freitag komplett als Anreisetag verplant. Wir hatten mehrfach das Vergnügen, im typischen Wochenendestau zu stehen und wunderten uns über unsere etwas dusselige Zeitplanung.

Juhu! Endlich mal Stau!

Die einzigen, die den Freitag besser nutzen konnten, waren die beiden Vertreter der Südfraktion – Stefan aus München und Günter aus Villach. Die beiden konnten sich mittels Setup am Freitagnachmittag einen Vorsprung erarbeiten und über das gesamte Wochenende verteidigen. Der Rest von uns trudelte erst um Mitternacht in der Albergo Ristorante Contarini an.


Samstag: Grotte di Oliero – Cogol dei Siori

Die Grotte di Oliero ist eine Schauhöhle (oder besser: Schaugrotte), in der im Sommer wohl Hochbetrieb herrscht. Um diese Jahreszeit sind nur ein paar Taucher anzutreffen, die für den üblichen Eintritt der Schauhöhle in Höhe von 6 Euro (niedlich, oder?) in den beiden Quelltöpfen des Systems tauchen – Cogol dei Siori (die vordere von beiden) sowie die Cogol dei Veci. Stefan, der schon mehrere Male hier war, gab uns zu Beginn eine umfangreiche Einweisung und ein paar wertvolle Tipps. Vielen Dank nochmal!

Warum bringt einen der Tauchsport immer an so hässliche Orte wie diesen? ;-)

Der Setup hier ist etwas mühselig, da die Ausrüstung mit dem Boot rüber zum Eingang der vorderen Höhle gebracht werden muss. Um zu hinteren Höhle zu gelangen muss sie dann noch am Ufer entlang getragen oder durch den Fluss gewatet werden, was den Aufwand nochmal deutlich erhöht. Es gibt zwar auch einen kürzeren Weg vom gegenüberliegenden Ufer aus, aber der ist leider nur über Beziehungen nutzbar. Schade, aber das ist wohl auch Italien ;-)

Transport per Boot zum Eingang der Cogol dei Siori.

Beim Setup war die Südfraktion wie gesagt im Vorteil, da Stefan und Günter ihr Material schon vor der hinteren Höhle aufgebaut hatten und direkt starten konnten. Für uns andere hieß es erstmal rödeln. In Gesellschaft von mehreren italienischen Gruppen bauten wir zusammen und verluden in den kleinen Kahn. Das Miteinander mit den Italienern war recht nett, ich traf sogar den mir von direxplorers.com bekannten Luca.

Abwechselnd ging es dann per Boot hinüber bis alles Material vor der Cogol dei Siori lag. Andreas (Ferkel) und Micha machten sich mit kleinem Gepäck direkt auf zur hinteren Höhle während Ralph und Basti sowie Schatz und ich unseren Kram die ersten Meter in die Siori reinschafften.

Basti und Schatz beladen das Boot.

Der Tauchgang in der Siori war eine Offenbarung: Zu Beginn ist das Gangprofil recht flach und die Strömung ist mehr als spürbar. Nach wenigen hundert Metern öffnet sich der Gang zu einer gewaltigen Halle, die sich in den Berg reinfrisst. Wem der tiefe Teil der Ressel vertraut ist, dem sei gesagt: Die Siori ist um einiges größer. Bei Sichtweiten von 10-15 Metern hat man tatsächlich das Problem, das man den Gang nicht vernünftig ausgeleuchtet bekommt. Vom Profil her geht der Gang langsam auf knapp unter 60 Meter hinab, um danach wieder langsam flacher zu werden. Wir bleiben rund 45 Minuten auf dem Trigger, bevor wir wieder umkehren und nach 164 Minuten wieder ans Tageslicht gelangen.

Bei soviel Schönheit gibt es aber auch Schattenseiten: Die Leinensituation. So ein Chaos hat man selten gesehen – die Leine liegt kreuz und quer im Gang, mehrere Leinen beginnen irgendwo, laufen parallel oder überkreuzen sich und enden schließlich wieder abrupt. Zwischendurch liegen oder hängen (!) größere Bündel Leinenreste quer im Gang.

Hiervon abgesehen ist die Siori aber eine spektakulär schöne Höhle, auch wenn die Temperatur mit 8° nicht zu ewig langen Grundzeiten einlädt. Nach unserem Tauchgang schafften wir die Geräte rüber zur hinteren Höhle, der Cogol dei Veci, die wir am folgenden Tag betauchen wollen. Zwischendurch kommen Ferkel und Micha von genau dort zurück und springen nochmal in die Siori.

Nach dem Abrödeln, dem Ausladen und dem Anschließen der Akkus ging es mit der ganzen Truppe ins Restaurant. Zu italienischem Essen muss ich ja jetzt nicht viel sagen :-)

Der "Akkuraum" in der Auberge.


Sonntag: Cogol dei Veci

Am Sonntag trennten sich nach einem ausgiebigen Frühstück unsere Wege. Schatz und ich sowie Basti und Ralph fuhren zur Oliero, um die Cogol dei Veci zu betauchen. Stefan, Ferkel und Micha sind zur Fontanazzi und später noch zur Elefante Bianco gefahren, Günter war schon am Vorabend nach Haus gefahren.

Obwohl Schatz und ich uns schon an die logistischen Bedingungen vor der Oliero etwas gewöhnt hatten, und wir auch alle Stages in einer Tour rüber zum Quelltopf brachten, dauerte der Setup gefühlt noch einmal länger. Die Höhle war dafür auch nochmal eine Steigerung dessen, was wir am Vortag erlebt hatten. Der Quelltopf hat für meine Begriffe gigantische Ausmaße, vielleicht um die 30-40 Meter im Durchmesser, und fällt direkt auf ca. 40m hinab, von wo aus der Gang in ähnlichen Raumdimensionen stetig abfallend bis auf maximal 56 Meter Tiefe verläuft. Selbst bei Sichtweiten um 20 Metern konnten wir die Wände nicht vollständig erkennen – ein Wahnsinn!

Blick auf die Cogol dei Veci: Die kleinen schwarzen Punkte rechts am Eingang sind Günter und Stefan.

Nach dem tiefsten Punkt verläuft die Höhle in leichter Berg- und Talfahrt wieder aufwärts, bei gleichbleibenden Raumdimensionen. Unser Umkehrdruck ist nach 45 Minuten auf dem Trigger erreicht, da ist der Boden des Gangs gerade nochmal auf 12 Meter Tiefe. Etwas weiter noch und man würde an die Stelle kommen, an der wohl ein Gang zur Siori rüber abzweigt – letztlich ist dies ein System mit zwei Eingängen.

Auf dem Rückweg kommen uns Ralph und Basti entgegen, die mal wieder ein bisschen später los sind aber die Zeit dafür nachher in der Deko aufholen ;-)

Die Deko in dem großen Eingangsdom war dann noch ein Erlebnis für sich. Während wir auf 6 Metern schwebten konnten wir 30 Meter unter uns Ralph und Basti sowie zwei Italiener beim Aufnehmen der ersten Dekostages bewundern. Phantastisch! Die beiden Italiener – das waren die mit den besseren Parkplätzen – hatten anscheinend gerade ganz gemütlich die Traverse von der Siori zur Veci gemacht.

Der abschließende Abtransport war recht kurzweilig, weil wir die Ausrüstung mittels der Scooter durch den Fluß fuhren – vermutlich die angenehmste variante. Weniger angenehm war, dass zwei Scooter kaputt gingen: Bei einem Suex brachen drei der sechs Verbindungssteg zwischen Shroud und Röhre während des Transports über die Untiefen des Flußes, bei einem Gavin fiel einfach der Propeller ab. Es geht doch nie ohne Verluste aus...


Montag: Fontanazzi

Am Montag schrumpfte unsere Truppe auf Ralp, Basti, Schatz und mich zusammen, Micha und Ferkel traten den Heimweg an, Stefan war schon am Abend gefahren. Das Ziel der Übriggebliebenen war die Fontanazzi.

Die Fontanazzi liegt am Rande der Ortschaft Solagna; ihr Quellwasser mündet nach wenigen Metern in den Brenta. Setup und Einstieg sind mit etwas Kraxelei verbunden, dank angebrachter Steigeisen geht das aber recht flüssig.

Der Einstieg der Fontanazzi. Easy, oder?

Die letzten Meter ins Loch hinein.

Mann muss ganz ehrlich sagen: Nach den beiden Höhlen der Vortage hatte die Fontanazzi es schwer, die Erlebnisse noch zu toppen. Und sie hat es doch geschafft, denn obwohl ich Superlative scheue, muss ich doch sagen, dass die Fontanazzi eine der schönsten, wenn nicht gar die schönste Höhle ist, in der ich bisher getaucht bin. Es fängt schon auf den ersten Metern an, denn diese verlaufen durch mehrere Engstellen – fast schon ein durchgehender Spalt – aus weißem, glatten Gestein vertikal nach unten, bis man in einer Tiefe um 22 Metern quasi aus der Decke in einen Raum reinpurzelt. Dieser Raum ist ein einziger Kontrast zu dem Spalt vorher: Dunkel, fast schwarz, skuril geformtes Gestein, ockerfarbene Brüche. Geniale Farben und Formen. Die Leine liegt akurat im Gang, die Sichtweite liegt bei über 20 Metern. Wir tauchen durch wunderbare Räume, an zwei T's vorbei und gelangen schließlich an einen Schacht, der nahezu senkrechtweiter nach unten bis auf über 100 Meter gehen soll. Wir bleiben mit unserem Nitrox auf 30 Metern und erkunden einen kleinen Gang oberhalb des Schachts, den wir noch ein bisschen weiter ausleinen bis er zu eng wird. Auf dem Rückweg erkunden wir noch einen Abzweig und tauchen noch einmal den Loop ab. Der Aufstieg durch den Spalt macht Spaß und am oberen Ende sehen wir, wie die Sonne den Quelltopf ausleuchtet.


Teilnehmer:

Günter Faul
Andreas Fierke
Stefan Gaar
Niko Gerdau
Michael Melcher
Sebastian Schatz
Bastian Scholz
Ralph Wilhelm