Frankreich mal anders – März 2012
Bericht über einen anspruchsvollen Tauchgang zur Biwakhalle in der Ressel im März 2012.
Auf den ersten Blick war es nicht anders als sonst: Fahrt für eine verlängerte Woche nach Frankreich ins Lot und Tauchen in den bekannten Höhlen. Der Unterschied diesmal: Ein größeres Ziel – ein Tauchgang zur Biwakhalle in der Ressel. Diese Auftauchstelle liegt zirka 2200 Meter vom Eingang entfernt und rund 1200 Meter der Tauchstrecke liegen auf einer Durchschnittstiefe von 60 Metern (maximale Tiefe 80 Meter). Ein ambitionierter Plan, zumal nur Basti und Sebastian mit Rebreather (RB) tauchten und eine Person stattdessen mit einem offenen System (OC). Dementsprechend war die Vorbereitung diesmal umfangreicher, auch weil der Rest der Woche noch einiges anderes getaucht werden sollte und die Gasvorräte für die Woche sehr genau geplant werden mussten.
Anfahrt
Die Anfahrt erfolgte mit einem Transporter. Auf der französischen Autobahn gab es unter anderem eine kleine Aufheiterung durch die Beschriftung eines Busses mit "Air – Low Cost". Die Ankunft in Gramat erfolgte gegen sieben Uhr.
Setup in der Ressel
Der Tauchgang zur Biwakhalle stand für Montag auf dem Programm, am Sonntag sollte dafür das Setup gemacht werden: Ausrüstung zusammenbauen, Flaschen analysieren, über Sinn und Unsinn unterschiedlicher Analyselabelbeschriftungen diskutieren (MOD und Analysewert vs. nur Analysewert), weiterpacken und zur Ressel fahren. Dort trafen sich einige bekannte Gesichter zum Klönen während des Aufrödelns.
Der Plan war, alles auf einmal reinzubringen, was in Summe 19 Stages waren. Nachdem aber der Großteil auf 21 Metern und die 36 Meter-Stage unten am Schacht abgelegt war, ging es befreit von der Last weiter.
Der große Tauchgang
Bei der Vorbereitung lief alles glatt und entspannt. Alles war sorgfältig und detailliert geplant, daher gab es von Anfang bis Ende keinen Stress.
Nach 10 Minuten Scootern bis zum 21 Meter-Punkt wurden weitere 10 Minuten mit Anlegen der Stages, Kontrolle der deponierten Dekogase und Gaswechsel verbracht. Für die Passage wurden 33 Minuten benötigt, um den tiefen Teil zu durchqueren.
Am hinteren Schacht begann eine sehr konservative Deko. Die ansonsten hervorragende Sicht (10-20 Meter) wurde durch Perkolation etwas getrübt – ein Phänomen, das man vom vorderen Teil der Ressel nicht kennt.
Beim hinteren 21 Meter-Punkt ist die Kunst, nicht dem verlockend aussehenden großen Gang zu folgen, sondern den kleineren Gang zu nehmen. Andernfalls landet man im Lac Isler, wo der Ausstieg schwierig bis unmöglich ist. Es wurde dem kleinen Gang gefolgt und auf der Deko gewartet. Auf 9 Metern bestand das Gestein ringsum aus Kreide.
Die Deko auf 6 Metern zog sich hin. Eine Foodtube aus Acryl gewährte einen Ausblick auf die darin enthaltenen Fressalien. Zusätzlich war noch Trinkjoghurt mit dabei.
Das letzte Drittel der Zeit auf 6 Metern verstrich scooternd Richtung Biwakhalle, wo nach 165 Minuten die Köpfe aus dem Wasser gestreckt wurden. Die Biwakhalle ist eine Auftauchstelle und nach all den Jahren, in denen davon zu hören war, war das Erreichen ein besonderer Moment.
Die Biwakhalle ist ein ungemütlicher Ort. Der Boden ist voll mit mittleren bis großen Steinbrocken, die zum Teil auch noch scharf geschnitten sind. Es gibt nur einen größeren Brocken, der halbwegs eben ist und als Lagerstätte dienen könnte. Schlafen ist dort nur mit Hängematten vorstellbar. Der hohe Kohlenstoffdioxidanteil in der Luft macht die Bewegung anstrengend – in Ruhehaltung merkt man kaum etwas, bei geringster Belastung jedoch sofort.
Nach einer Kletterpartie und einer kurzen Rast auf dem flachen Felsbrocken ging es nach anderthalb Stunden wieder an das Anrödeln.
Der Rückweg verlief flott und glatt. Nach 191 Minuten Tauchzeit und insgesamt rund acht Stunden unter Tage erfolgte der Ausstieg bei völliger Dunkelheit in der Célé. Danach stand noch das Abbauen und Verstauen auf dem Programm.
Entspannungsprogramm in der Truffe
Nach solchen Tauchgängen mag man auch mal kürzer treten. Am Dienstag stand ein kurzer Tauchgang in die Truffe an, wobei der Eingang stärker zugeschüttet war und nur mit sehr unkonventionellen Methoden in die Höhle hineingelangt werden konnte. Nach diesem Hindernis war es ein schöner, entspannter Tauchgang bei hervorragender Sicht.
Landenouse
Für Mittwoch war ein Tauchgang in der Landenouse geplant.
Lesen Sie auch
- Rinquelle Januar 2011 Ein Erfahrungsbericht über ein anspruchsvolles Höhlentauchprojekt an der Rinquelle in der Schweiz im Januar 2011.
- Frankreich – September/Oktober 2013 Ein zweiwöchiger Bericht über Höhlentauchprojekte im Reseau de L'Ouysse sowie Tauchgänge in der St. Georges, Ressel und St. Saveur.
- Die Psychologie der Perfektion: Motivation und Belohnung im technischen Tauchen Das meisterhafte Beherrschen komplexer Abläufe unter Wasser basiert auf psychologischen Rückkopplungen, die Eigenverantwortung und Präzision stärken.