Höhlentauchen im Valstagna (Italien)
Ein Bericht über spektakuläre Höhlentauchgänge im italienischen Valstagna in den Höhlen Oliero und Fontanazzi.
Eigentlich war für diesen Winter eine zweite Tour zur Rinquelle geplant, doch die Wettervorhersagen waren nicht uneingeschränkt optimistisch. Kurzerhand wurde die Tour umgeplant und es ging für ein verlängertes Wochenende ins Valstagna in Italien. Valstagna ist ein langgezogenes Tal, das der Fluss Brenta in die südlichen Ausläufer der Alpen gegraben hat und in dem die Grotte di Oliero sowie die Fontanazzi liegen.
Grotte di Oliero – Cogol dei Siori
Die Grotte di Oliero ist eine Schauhöhle, in der in den Quelltöpfen des Systems getaucht werden kann – Cogol dei Siori sowie Cogol dei Veci.
Der Setup hier ist etwas mühselig, da die Ausrüstung mit dem Boot rüber zum Eingang der vorderen Höhle gebracht werden muss. Um zur hinteren Höhle zu gelangen, muss sie dann noch am Ufer entlang getragen oder durch den Fluss gewatet werden, was den Aufwand nochmal deutlich erhöht.
Der Tauchgang in der Siori war eine Offenbarung: Zu Beginn ist das Gangprofil recht flach und die Strömung ist mehr als spürbar. Nach wenigen hundert Metern öffnet sich der Gang zu einer gewaltigen Halle, die sich in den Berg reinfrisst. Bei Sichtweiten von 10–15 Metern hat man tatsächlich das Problem, dass man den Gang nicht vernünftig ausgeleuchtet bekommt. Vom Profil her geht der Gang langsam auf knapp unter 60 Meter hinab, um danach wieder langsam flacher zu werden.
Bei so viel Schönheit gibt es aber auch Schattenseiten: Die Leinensituation. Die Leine liegt kreuz und quer im Gang, mehrere Leinen beginnen irgendwo, laufen parallel oder überkreuzen sich und enden schließlich wieder abrupt. Zwischendurch liegen oder hängen größere Bündel Leinenreste quer im Gang. Hiervon abgesehen ist die Siori aber eine spektakulär schöne Höhle.
Cogol dei Veci
Die Höhle Cogol dei Veci war nochmal eine Steigerung dessen, was am Vortag erlebt wurde. Der Quelltopf hat gigantische Ausmaße, vielleicht um die 30–40 Meter im Durchmesser, und fällt direkt auf ca. 40 m hinab, von wo aus der Gang in ähnlichen Raumdimensionen stetig abfallend bis auf maximal 56 Meter Tiefe verläuft. Selbst bei Sichtweiten um 20 Metern konnte man die Wände nicht vollständig erkennen.
Nach dem tiefsten Punkt verläuft die Höhle in leichter Berg- und Talfahrt wieder aufwärts, bei gleichbleibenden Raumdimensionen. Es handelt sich hierbei letztlich um ein System mit zwei Eingängen, da ein Gang zur Siori rüber abzweigt.
Fontanazzi
Die Fontanazzi liegt am Rande der Ortschaft Solagna; ihr Quellwasser mündet nach wenigen Metern in den Brenta. Setup und Einstieg sind mit etwas Kraxelei verbunden, dank angebrachter Steigeisen geht das aber recht flüssig.
Die Fontanazzi gehört zu den schönsten Höhlen überhaupt. Die ersten Meter verlaufen durch mehrere Engstellen – fast schon ein durchgehender Spalt – aus weißem, glatten Gestein vertikal nach unten, bis man in einer Tiefe um 22 Metern quasi aus der Decke in einen Raum reinpurzelt. Dieser Raum ist ein einziger Kontrast zu dem Spalt vorher: Dunkel, fast schwarz, skurril geformtes Gestein, ockerfarbene Brüche. Geniale Farben und Formen. Die Leine liegt akkurat im Gang, die Sichtweite liegt bei über 20 Metern.
Teilnehmer
- Günter Faul
- Andreas Fierke
- Stefan Gaar
- Niko Gerdau
- Michael Melcher
- Sebastian Schatz
- Bastian Scholz
- Ralph Wilhelm
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